Zwei gelbe Bilder Willi Buchers hängen anlässlich der letzten Ausstellung in diesem Jahr im Erdgeschoss des Fürstenwall 74. Eines zeigt das Porträt des österreichisch-tschechischen Schriftstellers Franz Kafka, der vor 100 Jahren gestorben ist. Beide Werke wirken zunächst wie Lichtblicke. In dem leeren abgedunkelten Raum taucht man geradezu in die Farbe ein. Ihre stille Aufforderung an die Besucher, sich aus dem Alltag zu lösen, um in einen Dialog zu treten, lassen sie zu einem Werkzeug der Kommunikation werden.
Willi Bucher ist Maler. Auch wenn in seinem Werk viele andere Ausdrucksmittel eine wichtige Rolle spielen (insbesondere Licht und Projektion) tragen Farbe und Leinwand seine Gedankenwelt nach außen, machen sie sichtbar. Die Ausstellung lädt Betrachter:innen ein, auf eine gedankliche Reise durch die Welt der Farbe Gelb zu gehen; weniger als dekorativer Spaziergang, sondern eher als Kurzaufführung von Farbthesen, konzeptueller Malerei oder handwerklich-sinnlichem Farbauftrag. Unsere Voraussetzung für dieses Farbensehen gründet im gesamtspektralen Licht. Eine gelbe Leinwand ist nicht gelb, sondern erscheint nur so, weil sie die Gelbanteile des Lichtes reflektiert, anderen Farbbereiche hingegen absorbiert. Beim genauen Hinsehen ist ein grundiertes Jutegewebe zu erkennen sowie zueinander versetzte Buchstaben in Gelb und Schwarz, die gelesen den Namen »Franz« endlos wiederholt abbilden. Mit der Distanz scheinen sie zu verschwinden. Mit einem gewissen Abstand lässt sich das Porträt Kafkas erkennen, dessen Blick mehr nach innen zur eigenen Beobachtung als auf die Betrachter:innen gerichtet scheint. Es ist insbesondere dieser introspektive Blick, der den Gedanken erwachsen lässt, die Beziehung von uns und dem Raum, der uns umgibt, anhand der Malerei zu erfahren und sich damit in der spezifischen Umgebung als denkender Mensch für oder gegen eine Handlung oder Haltung zu entscheiden. Oder bloß zu beobachten.